Beobachtungstipps
Baumwesen - Ein Beitrag von Carmen Burre PDF Drucken E-Mail

Schon in der Kindheit, aufgewachsen in Augustdorf, streifte ich in jeder freien Minute mit Hund und Pferd durch die Natur.
Die Senne, der Teutoburger Wald für mich ein riesengroßer ’’ Spielplatz ’’.
Mein Vater begeisterte meine Schwester und mich außerdem für Klettertouren, Höhlen in der Umgebung wurden erforscht,
Vögel und andere Waldtiere lernten wir kennen und im Herbst sammelten wir stundenlang Pilze.
Heute weiß ich, selbst Mutter von 2 Kindern, wie wichtig es ist anderen die Schönheit, die Einzigartigkeit der Natur wieder näher zu bringen.

Mit den ’’Baumwesen’’ habe ich eine wunderbare Möglichkeit dazu gefunden.
Das erste Gesicht entdeckte ich 2001. Zu diesem Zeitpunkt erkundete ich mit unseren Hunden die Wälder im Kalletal.
Weg vom stressigen Alltag fand ich auf meinen Streifzügen durch die Natur Erholung und Gelassenheit und noch etwas stellte sich ein …..
Die Leichtigkeit, die Fantasie aus meiner Kindheit kehrte zurück.
So wie ich früher ganz entspannt auf einer Wiese liegend Tiere in den Wolken entdeckte,
sah ich nun Gesichter, Gestalten und Tiere in den Bäumen.
Fasziniert versuchte ich dies mit meiner Digitalkamera festzuhalten und bald entstand eine kleine Serie die ich ein Jahr später Kalletaler Bürgerhaus der Öffentlichkeit vorstellte. Ich hatte zwar einige Bedenken z.B. dass die Menschen mich für ein wenig verrückt halten, dass sie über mich, meine Baumwesen lachen, doch genau das Gegenteil geschah. Diejenigen die die Fotografien betrachtet hatten gingen wieder aufmerksamer durch den Wald, viele riefen mich an oder mailten und berichteten von ihren eigenen Baumwesen. Das gab mir Mut zum weitermachen. Viele, viele Ausstellungen folgten bis hin zur einer Gemeinschaftsausstellung im Bundes – Umweltministerium in Bonn zum Thema Baumwelten – Weltenbäume.
Ja, ich war ganz schön rege, doch ich hatte einen Traum. Ich wünschte mir einen Kalender mit Baumwesen !
Doch manchmal kommt es halt anders als man denkt, und so erschien im März 2005 mein erstes Buch :
Baumwesen – Ungewöhnliche Begegnungen in der Natur
In dem kleinen Bildband mit 50 Fotografien der Baumwesen konnte ich die Entwicklung, die Gestaltung, viele Gedanken und Assoziationen zum Baum / Mensch
beschreiben.

Mit einer Lebensweisheit aus China möchte ich diese kurze Zusammenfassung der Baumwesen, von mir beenden welche lautet :

Wer den Himmel im Wasser sieht,
sieht die Fische in den Bäumen.

Ihre

Carmen Burre

 
Marode Maschen- Wildzäune als Tierfallen PDF Drucken E-Mail
Flucht in den Drahtzaun

Wildzäune aus Maschendraht sollen den ungestörten Aufwuchs von Feldfrüchten und Baumschösslingen sicherstellen oder Autofahrer vor Wildunfällen schützen. Doch leicht können sie zu Todesfallen werden. Vor allem Gehörn- oder Geweihträger drohen sich im Draht zu verhaken, wenn sie die Hindernisse übersehen, beispielsweise auf der Flucht vor frei laufenden Hunden oder bei Annäherung von Menschen und Fahrzeugen. Am gefährlichsten sind schadhafte oder halb zugewucherte Zäune, die einfach im Wald oder der freien Landschaft verbleiben und dort verrotten.
Dabei verstößt das Belassen nicht mehr gebrauchter Zäune klar gegen gesetzliche Vorschriften. Laut Landesforstgesetz für das Land NRW handelt ordnungswidrig, „ wer Eingatterungen mit Wegfall des Schutzzwecks nicht unverzüglich entfernt.“ Das kann eintreten, wenn eingehegte Bäume groß genug sind, um nicht länger von Rehwild verbissen werden zu können. Ähnliche Vorschriften gibt es auch in anderen Bundesländern.
Doch die Praxis sieht häufig anders aus. Vielerorts sind Zäune durch überspringendes Wild halb niedergedrückt oder es klaffen in Brusthöhe große Löcher im rostigen Drahtgeflecht – manchmal mit Fellfetzen, die Rehe und Hirsche beim Durchspringen der Maschen hinterlassen und oft gerade dort, wo Felder schlauchförmig in den Wald hineinragen und zur Sackgasse für aufgestörtes, fliehendes Wild werden, dem gar nichts übrig bleibt, als am Ende der Sackgasse gegen den Zaun zu rennen. „Früher waren an solchen Stellen Aussprünge selbstverständlich", gibt der NABU Lippe zu bedenken.
Heute sind solche Erdrampen, die über den Zaun hinweg helfen, offensichtlich zu teuer. Sie wären sinnvoll vor allem in großen Gattern oder entlang von Feld-Wald-Grenzen. Dort stehen häufig und gegen die Vorschrift die Gattertore offen. Beim Naschen vom Acker aufgeschrecktes Wild, das in seiner Panik die Tore nicht wieder findet, springt irgendwo verzweifelt gegen den Drahtzaun und verletzt sich.
Wildschutzzäune können für Wildtiere wie ein Fangnetz wirken und zu schweren Verletzungen bis zum Genickbruch etwa bei Rehböcken führen.
Statt Wildschutzzäune aus Maschendraht in die Landschaft zu ziehen wäre es besser, dass nur noch Hordengatter eingesetzt werden. Diese oft zwei Meter hohen Zäune aus Holzlatten könnten 10 bis 15 Jahre stehen bleiben, und wenn sie dann zusammenfallen, an Ort und Stelle verrotten. Es entstehe kein Abfall – außer ein paar verrostenden Nägeln. Und verhakt sich doch einmal ein Rehbock mit seinem Gehörn in einer Gattersprosse, kann er sich leicht befreien – notfalls, indem er die Sprosse herausreißt.
Doch warum sind Maschendrahtzäune so beliebt? „Sie haben sich einfach eingebürgert", so der Naturschutzbund. Auch seien die Zäune etwas billiger aufzubauen – und noch einmal lässt sich sparen, wenn der Abbau unterbleibt. Da Holzgatter am Ende im Wald vergammeln können, läge hier eigentlich ihr größter Kostenvorteil.
Die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten (LÖBF) in Nordrhein-Westfalen hält die Lattenzäune ohnehin nicht für teuer: Der laufende Meter Holzgatter koste etwa sechs Euro, der „sehr niedrige" Lohnanteil daran 80 Cent. Das Hordengatter kann sogar billiger sein als ein Drahtzaun, wenn die Dachlatten günstig eingekauft und zugeschnitten werden können.
Wer dennoch Drahtzäune verwendet, muss sie frei von Bewuchs und straff gespannt halten. Doch leider macht man sich diese Mühe nicht.

 
Die Wasseramsel PDF Drucken E-Mail

Die Wasseramsel - Im Tauchgang auf Insektenfang

Im Januar erscheint uns die "entblätterte" Landschaft zwar grau in grau, sie gibt aber auch die Sicht auf bisher Verborgenes frei. Mit etwas Glück erblickt man beim Spaziergang die Wasseramsel, einer der wenigen im und am Bach lebenden Singvögel. Ihr Tag verläuft während der Vegetationsperiode im (Sicht-) Schutz des dichten Uferblattwerks quellklarer Bäche. Fällt das Laub, ist der Vogel häufiger zu sehen. Die Wasseramsel kann als einziger Singvogel schwimmen und tauchen.

Mit etwa 18 Zentimeter Größe ist die Wasseramsel kleiner als die bekanntere Amsel (Schwarzdrossel). Kehle und Brust sind auffällig weiß, der Kopf schimmert schokoladenbraun. Oft sitzt der Vogel auf wasserumspülten Steinen im Bach. Sucht er Nahrung, stürzt er kopfüber ins kühle Nass. Er kann bis auf den Grund tauchen und dort sogar laufen, um im Kiesbett Insekten, Larven, Flohkrebse und Würmer aufzupicken. Auch kleine Fische verschmäht die Wasseramsel nicht. Nach 10 bis 30 Sekunden taucht sie wieder auf.

Um diese einzigartigen Fähigkeiten nutzen zu können, muss die Wasseramsel anderen Singvögeln eine Menge voraushaben: Nasen und Ohren sind per Membran verschließbar, die Knochen schwerer, da zum Teil mit Mark gefüllt. Dichtes Gefieder, kräftige Zehen und spitze Krallen erlauben es der Wasseramsel, beim Tauchen der Strömung zu widerstehen. Darüber hinaus ist Cinclus cinclus, wie die Fachleute den Vogel nennen, auch noch musikalisch. Allerdings wird sein leises, melodisches "Schwätzen" meist vom Rauschen des Bachs übertönt. Bei Gefahr jedoch meldet sich der Singvogel mit einem lauten lang gezogenen Ruf und fliegt davon.

Die Wasseramsel meidet verschmutzte und ausgebaute Gewässer. An befestigten Ufern fehlen ihr zum Nisten die nischenreichen, wurzeldurchsetzten Steilhänge. Betonierte Bachsohlen bieten keine Nahrung. Auch die Beseitigung von Nischen an Brücken, Wehren und Mühlen haben dem "Wasserschwätzer" das Brutgeschäft verdorben. In den letzten 15 Jahren aber verspüren die Bestände durch gezielte Maßnahmen des Naturschutzes Aufwind. In der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten von 1996 konnte der Name der Wasseramsel gestrichen werden, weil die Bäche und Flüsse in Lippe sauberer und viele Ufer durch Maßnahmen des Gewässerauenprogramms wieder naturnäher geworden sind. Zum Erfolg beigetragen haben auch die zahlreichen Nistkästenaktionen ehrenamtlicher Naturschützer. Und deshalb ist die Liste der Gewässer, an denen man die Wasseramsel sehen kann, heute wieder beachtlich lang. Dazu gehören in Lippe die Werre, die Bega und andere unverbaute, saubere Fließgewässer.


 
Der Garten - Objekt des Reinlichkeitswahns PDF Drucken E-Mail

Der Garten ist leergeräumt, das Laub ist entfernt, Strauch- und Baumschnitt sind umfassend entsorgt worden. Zurück bleiben Lebensräume in Siedlungsbereichen, die in diesem Zustand fast allen überwinternden Tierarten keine Lebens-und Überwinterungsräume mehr bieten können. Dabei können Gärten als Territorien gelten, in denen vieles machbar ist, was uns in der freien Natur längst abhanden gekommen ist. Wir können welke Stauden die kalte Jahreszeit über stehen lassen, in Winkeln des Gartens eine inszenierte Wildheit zulassen oder auch nur Entfaltungsstufen der Natur so belassen wie sie sind – für eine gewisse Zeit.
Wer macht sich schon ernsthaft Gedanken darüber, wo etwa all die Insekten den Winter über bleiben, Unterschlupf und Schutz finden, ungestört Verstecke und Winterquartiere beziehen können.
Für Bernd Mühlenmeier vom NABU Lippe ist es unverständlich, wie Haus- und Gartenbesitzer jedes Jahr wieder derart unüberlegt wichtige Lebensräume in einen für Tiere nahezu wertlosen Zustand versetzen können. „ Wir müssen umdenken,alle, und zwar gründlich“, so sein Plädoyer für eine naturfreundlichere Gartengestaltung.
Dabei geht es auch anders: Hecken und dichte Gebüsche aus einheimischen Gehölzen besitzen eine erstaunlich hohe Vielfalt an Tieren und Pflanzen. Blütenbesucher und Früchteverwerter zählen dazu, also Insekten, Vögel, Säugetiere. Ebenso eine abwechslungsreiche Vegetationsschichtung, die auch zu Winterzeiten ökologische Funktionen als Lebensraum und Nahrungsquelle erfüllt. Ältere Baumbestände, Bäume mit Hohlräumen und Höhlensind ebenso wie totes und morsches Holz eine wichtige Brut- und Nahrungsstätte für zahlreiche Insektenarten, von denen wiederum viele insektenfressende Vogelarten profitieren. Auch ein Entfernen des Herbstlaubes schadet, da es als Streuschicht unverzichtbare ökologische Funktionen übernimmt. Auch aus gärtnerischer Sicht ist das Entfernen der Laubschicht von Nachteil, da dadurch der Pflegeaufwand deutlich erhöht und das Gehölzwachstum beeinträchtigt wird. Falllaub sollte als schützenswerte Winterdecke liegen bleiben.
Und was die welken Stauden angeht, so werden sie entweder von den Stürmen umgeweht und als luftige Decke über den Boden geworfen – oder sie bilden, wenn Reif und Schnee kommen, bizarre Gerüste für phantastische weiße Skulpturen.

Im Garten stehen uns jetzt die Monate bevor, in denen Grau- und Brauntöne vorherrschen und jedes Grün als Bürgschaft und Verheißung hoch geschätzt wird, - zum Beispiel das Grün der Moose, die wir sonst nur mit einem Seitenblick streifen. Faszinierend ist nicht nur die Schönheit der Flechten, auch die Beharrlichkeit, mit der die winzigen Pflanzen Millimeter für Millimeter ihres Biotops erobern.

Und so sieht es heute in vielen ländlichen Ortschaften aus:

Wo sich noch Ende der 70er Jahre Höfe, Misthaufen, freilaufendes Federvieh und Nutzgärten befanden, sind heute Wohnhäuser und gepflegte Rasenflächen zu finden.

 
Galläpfel - unbekannte Lebensgemeinschaften PDF Drucken E-Mail

Galläpfel

Bevor Bäume und Sträucher bald ihre Blätter abwerfen lohnt es sich, noch einen Blick auf Eichen-, Buchen oder auch Rosenblätter zu werfen: Rotbackig wie Äpfel finden sich hier jetzt nicht selten kugelige Gebilde, manchmal auch größere zottelige Kugeln – die so genannten Gallen oder Galläpfel.

Jetzt im Herbst ist die beste Zeit, einen Blick hinter die Kulissen dieser „Lebensgemeinschaft“ zu werfen, die den meisten kaum bekannt sein dürfte. Gallen sind abnorme Veränderungen von Pflanzenteilen wie Wucherungen, Verdickungen oder blasige Gebilde auf Blättern, an Stängeln oder Wurzeln, erklärt der Naturschutzbund ( NABU Lippe ). Die fleischigen, kugeligen oder zipfeligen Objekte sind das Werk von Bakterien, Fadenwürmern, Milben oder Insektenlarven.

Die kleinen Bauherren liefern dem Baum oder Strauch den Plan, wie das Haus auszusehen hat. An den eigentlichen Baumaßnahmen zur Errichtung der Galle beteiligen sie sich nicht, vielmehr zwingen sie die Pflanze mit Botenstoffen ihnen ein schützendes Dach über dem Kopf einzurichten, indem sie die Entwicklung von Pflanzenteilen umprogrammieren. Wer diese „Lebensgemeinschaft“ genauer kennen lernen wolle, sollte die Gallenbewohner züchten, so der NABU. Dazu eignen sich besonders gut die Gallen der Eichen-Gallwespe. Diese befinden sich auf der Unterseite von Eichenblättern und sind fast kirschgroß. Man sammle einige ein und gebe sie in ein Glasgefäß auf etwas feuchten Rindenmulch. Dieses wird dann mit feinmaschiger Gaze fest verschlossen. Feucht und kühl gehalten, schlüpfen im Februar mit etwas Glück die ameisenartigen, wenige Millimeter großen, geflügelten Eichen-Gallwespen.

Dabei handelt es sich ausschließlich um weibliche Wespen. Diese legen unbefruchtete Eier an Eichenknospen ab, aus denen sich eine kleine, knospenförmige Galle entwickelt. Aus diesen „Zwischengallen“ schlüpfen im späteren Frühjahr sowohl Weibchen und Männchen. Nach deren Paarung legen die Weibchen ihre Eier einzeln an die Blattunterseite junger Eichenblätter. Die daraus schlüpfenden Larven benetzen kleine Areale an den Blattrippen mit Speichel. Dieser enthält Wirkstoffe, die das Blatt veranlassen, rund um die Larven Gallen zu bilden. Im Inneren der Behausung entwickelt sich die Nachkommenschaft gut geschützt in einer Kammer. Vom Wirt werden die Larven bestens mit Nährstoffen versorgt. Im Herbst, wenn der Baum seine Blätter abwirft, segeln sie mit „Haus“ und „Grundstück“ sanft auf den Boden, wo sie sich verpuppen. Damit beginne der Zyklus von vorn, so der NABU Lippe.

Ganz ohne Gegenwehr ergeben sich die Pflanzen allerdings nicht. Im Gallgewebe produzieren sie überdurchschnittlich viel Gerbstoffe, welche die Nährstoffversorgung der Larven blockieren. Daraufhin setzen die Larven ihrerseits Gegenmittel ein, welche die Gerbstoffe unschädlich machen. Die Pflanze verstärkt dann noch mal die Gerbstoffproduktion. Dies macht sich der Mensch zu Nutze: Der hohe Gerbstoffgehalt macht die Gallen zu einer geeigneten Quelle für die Gewinnung von Gallussäure, die auch heute noch zum Gerben von Leder verwendet wird. Aus Pflanzengallen wird auch die wertvolle Eisengallus-Tinte hergestellt. Sie ist absolut lichtecht und wird zum Unterzeichnen von Staatsverträgen benutzt.


 
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