| Zugvögel - ein Kommen und Gehen |
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NABU Leopoldshöhe - Naturtipp
Das alljährlich wiederkehrende Naturschauspiel des Vogelzuges fasziniert Tausende von Hobbyfotografen und Naturfreunde immer wieder aufs Neue. Klimawandel und Vogelgrippe haben daran nichts geändert, lediglich zusätzliche Fragen aufgeworfen, die das Thema Vogelzug zumindest zweimal im Jahr stärker ins Blickfeld rücken lassen: Einmal im Herbst, wenn die hier heimischen Vogelarten ihre Brutreviere verlassen und in wärmere Gegenden Südeuropas oder Afrikas ziehen und dann wieder im Frühjahr, wenn die Nomaden der Lüfte heimkehren. Typische Vertreter unserer heimischen Zugvögel sind zum Beispiel Weißstorch und Schwarzstorch, Kranich, Wespenbussard, Kuckuck, Mauersegler, Mehl - und Rauchschwalbe, Kiebitz, Singdrossel, Sumpfrohrsänger, Feldlerche, Fitis, Nachtigall und Hausrotschwanz. Manche von ihnen sind dabei nur für sehr kurze Zeit hier.
Wer fliegt und warum… So treffen Mauersegler jedes Jahr aufs neue Ende April in NRW ein, machen sich aber auch schon wieder Anfang August auf den Weg. Der Pirol verabschiedet sich ebenfalls zu diesem Zeitpunkt. Ab Mitte August folgen dann Nachtigall, Kuckuck, Storch und Wespenbussard. Auch der Rückflug der Schwalben beginnt nun, erreicht aber erst im September seinen Höhepunkt. Hauptvogelzugzeit ist von Mitte September bis Mitte Oktober. Hier ziehen dann unter anderem Hausrotschwänze und Stare, noch später folgen die Kraniche. Die Kiebitze ziehen teilweise erst mit Einbruch des ersten Frostes. Sie erreichen ihre Überwinterungsgebiete in Frankreich und Spanien allerdings auch bereits nach kurzer Zeit. Entsprechend zeitig im Frühjahr fliegen sie hier bereits wieder ein. Hauptgrund für den Zug in den Süden ist weniger der bevorstehende Kälteeinbruch, als vielmehr der drohende Nahrungsmangel, berichtet der NABU Lippe. Insbesondere reine Insektenfresser würden bei uns im Winterhalbjahr nicht mehr genügend Nahrung finden. Hauptauslöser für das Zugverhalten der Vögel sei allerdings eine „innere Uhr“, die im jahreszeitlichen Rhythmus alle wichtigen Lebensvorgänge der Tiere steuere. Diese biologische Langzeituhr löst im Tier eine Zugunruhe aus, ebenso wie sie dafür sorgt, dass rechtzeitig Energievorräte im Körper – so genannte Fettdepots –gebildet werden, um die oftmals enormen Flugleistungen bewältigen zu können, so der Naturschutzbund weiter.
... und wer kommt
Doch machen sich nicht nur unsere heimischen Vögel auf den Weg in ihre Winterquartiere, Millionen Vögel aus den skandinavischen Ländern, aus Osteuropa bis hinauf nach Sibirien begeben sich ebenfalls auf den Weg, um zum Teil in unseren Breiten zu überwintern. Bekanntestes Beispiel sind die Wildgänse. Ende August verlassen Bläss- und Saatgänse ihre sibirischen Brutgebiete und brechen zu einer rund 6000km langen Reise auf. Diese führt mit mehreren Zwischenstopps über Osteuropa unter anderem bis an den Niederrhein. Verstärkung bekommt – zum Beispiel – die hier lebende, eher kleine Erlenzeisigpopulation durch Zuzug aus dem Norden. Den Sommer über nur im Sauerland anzutreffen, kann man Erlenzeisige in den Wintermonaten in fast allen nordrhein – westfälischen Parks und Gärten zu beobachten. Hier tauchen sie dann gerne in Trupps und größeren Schwärmen auf, die gemeinsam durch die Gegend ziehen. „Der Seidenschwanz gehört eher zu den unregelmäßigen Wintergästen unserer Region, aber beinahe jährlich durchziehen einzelne Vögel oder kleine Trupps auch das Lipperland“, weiß Ulrich Kuhlmann, Ornithologe bei NABU- Lippe zu berichten.
Einfluss des Klimawandels Der Vogelzug entstand während vieler Jahrtausende als eine Verhaltensanpassung an die jahreszeitlich wechselnden klimatischen Bedingungen in Europa und Afrika. Doch globale Erwärmung und Klimawandel gehen auch am Zuggeschehen nicht spurlos vorüber. So kehren Mehlschwalben inzwischen durchschnittlich zehn Tage früher aus Nordafrika nach Deutschland zurück als noch vor 30 Jahren. Immer mehr Störche insbesondere der Westroute ziehen möglicherweise auch aufgrund des Klimawandels nicht mehr so weite Strecken und überwintern bereits in Spanien und Portugal. Andere Vogelarten reagieren noch heftiger: Kiebitz, Singdrossel, Star und Hausrotschwanz galten bis vor wenigen Jahren als klassische Zugvögel. Inzwischen verbringen sie immer öfter den Winter in Mitteleuropa.
Fotos: NABU Lippe Majestätisch am Boden und in der Luft – der Weißstorch |



